Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Michael Bödde, der das Technische Hilfswerk und insbesondere den THW-Ortsverband Berlin Steglitz-Zehlendorf über Jahrzehnte hinweg geprägt hat.

Michael wurde am 26. Juni 1957 in Bochum geboren und wuchs in Herford auf. Nach dem Besuch der Hauptschule begann er eine Ausbildung zum Heizungs- und Lüftungsbauer, die er 1975 mit der Gesellenprüfung abschloss. 1978 heiratete er seine Frau Petra. Drei Jahre später zog die Familie nach Berlin; 1986 wurde ihr Sohn geboren.
Michael setzte seinen beruflichen Weg mit großer Entschlossenheit fort und bestand 1992 die Meisterprüfung im Heizungs- und Lüftungsbau. Dieser Weg von der Hauptschule bis zum Handwerksmeister erzählt viel über ihn: über seine Beharrlichkeit, seinen Fleiß und den festen Willen, sich weiterzuentwickeln. Er wusste aus eigener Erfahrung, dass Herkunft und Schulabschluss nicht darüber entscheiden müssen, wohin ein Lebensweg führt. Gerade deshalb war er für viele ein Vorbild – nicht durch große Worte, sondern durch das, was er erreicht, weitergegeben und anderen zugetraut hat. Sein Wissen behielt Michael nicht für sich. Mehrere Jahre arbeitete er als Fachlehrer an einer berufsbildenden Schule, an der er junge Menschen mit erschwerten Bildungs- und Startchancen auf ihrem Weg in Ausbildung und Beruf begleitete. Später gründete er einen eigenen Betrieb und verwirklichte damit den Schritt in die Selbstständigkeit. Als äußere Umstände eine Fortführung schließlich nicht mehr möglich machten, setzte er seinen beruflichen Weg als Meister in einem Fachunternehmen fort. Auch darin zeigte sich seine Stärke: sich von herausfordernden Entwicklungen nicht entmutigen zu lassen und mit Erfahrung und Zuversicht weiterzugehen.
Sein Weg im THW begann bereits 1976 im damaligen Ortsverband Herford. Schon früh übernahm er Verantwortung und qualifizierte sich für Führungsaufgaben. 1978 schloss er Lehrgänge zum Gruppenführer im Betreuungsdienst und zum Feldkoch ab. Bereits ein Jahr später nahm er erfolgreich an einem Zugführeranwärterlehrgang an der damaligen Landesschule des Katastrophenschutzes in Wesel teil. Darüber hinaus wurde er als Ausbilder eingesetzt. Nach seinem Wechsel nach Berlin setzte Michael sein Engagement im Ortsverband Steglitz fort. Er gehörte dort zu den ersten Helfern, die auf Grundlage des damaligen § 8.2 vom Wehrdienst freigestellt wurden. Zunächst war er im 1. Zug tätig. Im November 1995 wechselte er zum Ortsverband Berlin-Lichtenberg, bevor er im März 1998 nach Steglitz zurückkehrte. Mit der Neuaufstellung der Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen begann ein weiterer prägender Abschnitt seines THW-Weges. Michael wechselte aus der Funktion des Kochs zunächst als Helfer in die neue Einheit und übernahm später deren Führung als Gruppenführer. Er trug wesentlich dazu bei, die Fachgruppe aufzubauen, fachlich weiterzuentwickeln und dauerhaft einsatzfähig zu machen. Sein umfassendes Fachwissen, seine Ruhe und seine Beharrlichkeit bewährten sich bei zahlreichen Hochwasser- und Unwettereinsätzen. Dazu gehörten unter anderem die Einsätze nach der Schneeschmelze 2006 in Alt Ruppin, Langerwisch und Nauen, rund um den Friedrich-Wilhelm-Platz sowie im Flughafentunnel in Tegel. Auch bei den schweren Hochwasserlagen 2007, unter anderem in Berlin-Reinickendorf, Rosengut, Langerwisch und Michendorf, stellte er sich gemeinsam mit seiner Einheit den schwierigen Anforderungen.
Michael dachte dabei früh über die Grenzen der vorhandenen Strukturen hinaus. Auf seine Initiative hin wurde bereits damals für größere Einsatzlagen eine schlagkräftige Einsatzmannschaft als Fachzug Wasserschaden/Pumpen zusammengestellt. Die Fachgruppe verfügte zu dieser Zeit lediglich über einen eigenen Lastkraftwagen. Ergänzt wurde ihre Ausstattung durch das Schwimmplattformsystem Jetfloat, dessen Beschaffung und Nutzung ebenfalls wesentlich auf Michaels Engagement zurückging. Durch die Einbindung von Fahrzeugen der Bergungsgruppen und zusätzlichen Mannschaftstransportfahrzeugen entstand eine leistungsfähige Einheit, die flexibel eingesetzt werden konnte. Diese Aufstellung bewährte sich nicht nur bei Hochwasser- und Pumpeinsätzen, sondern auch bei gemeinsamen Übungen im polnischen Myślibórz. Dort zeigte sich, wie eng Michael Ausbildung, technische Ausstattung und Einsatzbereitschaft miteinander verband. Ihm ging es nicht allein darum, vorhandenes Material zu verwalten. Er wollte Strukturen schaffen, mit denen die Einsatzkräfte ihre Aufgaben zuverlässig und wirkungsvoll erfüllen konnten. Im Jahr 2010 war Michael bei Pumparbeiten in Lebus und auf polnischem Gebiet im Einsatz. Im selben Jahr wirkte er in Herzberg im Landkreis Elbe-Elster an der Damm- und Deichverteidigung mit. Beim Winterhochwasser 2011 unterstützte er die Einsatzmaßnahmen im Raum Pritzwalk. Diese Einsätze standen exemplarisch für das, was ihn auszeichnete: fachliche Sicherheit, Ausdauer und die Bereitschaft, auch unter belastenden Bedingungen Verantwortung zu übernehmen. Von 2012 bis 2013 war Michael als Schirrmeister im Ortsverband Berlin Steglitz-Zehlendorf tätig. In dieser Funktion kümmerte er sich um Fahrzeuge, Ausstattung und Material – eine Aufgabe, die Genauigkeit, technisches Verständnis und Verlässlichkeit verlangte. 2013 übernahm er zusätzlich die Funktion des Hygienebeauftragten. Von 2013 bis 2015 führte er erneut die Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen als Gruppenführer.
Über mehr als 25 Jahre wirkte Michael mit seiner Fachgruppe zudem an der technischen Absicherung des Berlin-Marathons mit. Gemeinsam mit Einheiten des Deutschen Roten Kreuzes und der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft stellte der Ortsverband die Wasserversorgung für den Duschbetrieb von rund 30.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sicher. Auch dort war Michael weit mehr als nur wegen seines Fachwissens gefragt. Seine ruhige, aber bestimmte Art, sein Blick für praktische Lösungen und seine Verlässlichkeit halfen ihm, auch unter hohem Zeitdruck den Überblick zu behalten. Sein Engagement reichte weit über die Führung einer einzelnen Einheit hinaus. Unter seiner maßgeblichen Mitwirkung wurde beispielsweise der Tag der offenen Tür des Ortsverbandes im Jahr 2007 vorbereitet und durchgeführt, zu dem rund 3.000 Besucherinnen und Besucher kamen. Michael dachte nie nur in den Grenzen seiner eigenen Aufgabe. Er übernahm Verantwortung für den gesamten Ortsverband und brachte sich dort ein, wo seine Erfahrung, seine Kraft und seine Unterstützung gebraucht wurden.
Im Jahr 2020 wechselte Michael als Truppführer in den Fachzug Logistik und übernahm dort Aufgaben in der Fachgruppe Logistik-Verpflegung. Später im selben Jahr wurde er zum stellvertretenden Ortsbeauftragten des THW-Ortsverbandes Berlin Steglitz-Zehlendorf berufen. In dieser Funktion war er Ansprechpartner, Vermittler und Vertreter des Ortsverbandes. Er begleitete Besuche, erklärte die Arbeit des THW und wirkte an zahlreichen Entscheidungen und Entwicklungen mit. Von 2022 bis 2024 führte Michael die Fachgruppe Logistik-Verpflegung als Gruppenführer. Damit übernahm er noch einmal Verantwortung in einem Bereich, dessen Bedeutung besonders bei lang andauernden Einsätzen sichtbar wird. Die Versorgung von Einsatzkräften verlangt Organisation, Improvisationsfähigkeit und einen klaren Blick für das, was gerade gebraucht wird – Eigenschaften, die Michael über viele Jahre hinweg ausgezeichnet hatten.
Seine Verdienste wurden mehrfach gewürdigt. Bereits im Dezember 1990 erhielt er das Helferzeichen in Gold, am 30. April 2005 folgte das Helferzeichen in Gold mit Kranz. Zudem wurde ihm das THW-Auslandsabzeichen verliehen. Im Jahr 2017 erhielt Michael gemeinsam mit Michael Mathews das THW-Ehrenzeichen in Silber – eine der höchsten Auszeichnungen des Technischen Hilfswerks. Mit Michael Bödde verlieren wir eine erfahrene Führungskraft, einen Kameraden und einen Menschen, der Verantwortung nicht nur übernommen, sondern über Jahrzehnte gelebt hat. Er war jemand, auf den man sich verlassen konnte. Einer, der nicht lange über Aufgaben sprach, sondern sie anpackte. Einer, der sein Wissen weitergab, andere unterstützte und ihnen etwas zutraute. Viele Einsatzkräfte hat Michael begleitet, ausgebildet und geprägt. Manche werden sich an seine große technische Erfahrung erinnern, andere an seine klare Art, seine ruhige Beharrlichkeit oder an die vielen gemeinsamen Stunden bei Ausbildung, Einsatz und Dienst. Seine Funktionen wechselten im Laufe der Jahre, seine Haltung blieb: verlässlich, bodenständig und der Gemeinschaft verpflichtet.
Sein Wirken bleibt mit dem THW-Ortsverband Berlin Steglitz-Zehlendorf verbunden. In der Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen, im Fachzug Logistik, in der Leitung des Ortsverbandes und vor allem in den Erinnerungen der Menschen, die mit ihm zusammenarbeiten durften, hat er bleibende Spuren hinterlassen.
Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Frau Petra, seinem Sohn, seiner Familie und allen, die ihm nahestanden.Wir werden Michael Bödde nicht vergessen und ihm ein ehrendes Andenken bewahren
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