Nachruf auf Ulrich Vogel
Der THW-Ortsverband Berlin Steglitz-Zehlendorf trauert um seinen langjährigen ehemaligen Ortsbeauftragten Ulrich Vogel.

Mit seinem Tod verliert das Technische Hilfswerk einen Menschen, dessen Leben über mehr als sechs Jahrzehnte untrennbar mit dem Bevölkerungsschutz verbunden war. Für viele Helferinnen und Helfer war Ulrich Vogel weit mehr als ein früherer Ortsbeauftragter. Er war Weggefährte, Ratgeber, Vorbild und ein prägender Teil der Geschichte unseres Ortsverbandes. Wer über das THW in Lankwitz spricht, kommt an seinem Namen nicht vorbei.
Ulrich Vogel gehörte zu jenen Menschen, die eine Organisation nicht nur über viele Jahre begleiten, sondern ihr Gestalt, Haltung und Richtung gaben. Menschen, deren Wirken sich nicht allein in Dienstzeiten, Funktionen oder Auszeichnungen bemessen lässt. Was sie hinterlassen, zeigt sich vielmehr in den Strukturen, die sie aufgebaut haben, in den Menschen, die sie gefördert haben und in dem Zusammenhalt, den sie über Generationen hinweg gestärkt haben.
Bereits im Alter von 15 Jahren trat Ulrich Vogel in das THW ein. Früh übernahm er Verantwortung. Seit 1977 leitete er, mit einer kurzen Unterbrechung, zunächst den Ortsverband Berlin-Steglitz und später den gemeinsamen Ortsverband Berlin Steglitz-Zehlendorf. Rund 35 Jahre lang stand er an dessen Spitze. Als er die Verantwortung 2013 an Hedwig Karkut übergab, konnte er bereits auf 50 Jahre im THW zurückblicken.
Eine so lange Amtszeit lässt sich kaum in einigen Jahreszahlen zusammenfassen. Sie bedeutet unzählige Dienstabende, Besprechungen und Ausbildungsstunden. Sie bedeutet Entscheidungen unter Zeitdruck, Gespräche mit Einsatzkräften und Führungskräften, Verhandlungen mit Behörden, Politik und Verwaltung sowie die fortwährende Verantwortung für die Einsatzbereitschaft eines großen Ortsverbandes. Vor allem aber bedeutet sie Verlässlichkeit.
Ulrich Vogel führte den Ortsverband durch Jahrzehnte, in denen sich das THW tiefgreifend veränderte. Technik und Einsatztaktik entwickelten sich weiter, Strukturen wurden neu geordnet, gesellschaftliche Rahmenbedingungen wandelten sich. Er begleitete diese Veränderungen nicht nur, sondern gestaltete sie aktiv mit. Dabei blieb sein Blick stets auf das Wesentliche gerichtet: auf die Menschen, die Verantwortung übernehmen und auf die Aufgabe, anderen in schwierigen Situationen wirksam zu helfen.
Seine Erfahrung beschränkte sich nicht nur auf die Leitung des Ortsverbandes. Ulrich Vogel war ein Einsatzmann im eigentlichen Sinne. Er nahm an zahlreichen bedeutenden Einsätzen teil, darunter 1993 am Eisenbahnunglück in Berlin-Wannsee und 1998 an der Gasexplosion in der Steglitzer Lepsiusstraße, bei der er zu den ersten Einsatzkräften am Schadensort gehörte. Auch beim Einsturz der Berliner Kongresshalle 1980, bei Hochwassereinsätzen an der Elbe, und als THW-Fachberater während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 war seine Erfahrung gefragt. Ein Weggefährte bezeichnete ihn einmal als „Vollblut-Einsatzmann“. Treffender lässt sich seine Haltung kaum beschreiben.
Ulrich Vogel wusste, dass erfolgreiche Hilfe nicht allein von Fahrzeugen, Geräten oder Dienstvorschriften abhängt. Entscheidend sind Menschen, die auch dann handlungsfähig bleiben, wenn die Lage unübersichtlich wird. Zeitgenossen würdigten seinen Teamgeist, sein außerordentliches Fachwissen und seine Ruhe in schwierigen Situationen. Wenn andere nicht mehr weiterwussten, fand er häufig noch einen Weg. Dabei ging es ihm nicht um persönliche Wirkung oder öffentliche Anerkennung. Im Mittelpunkt stand die Aufgabe das gemeinsame Ziel und die Verantwortung gegenüber den Menschen die Hilfe benötigten.
Sein Wirken reichte weit über den eigenen Ortsverband hinaus. Zugleich war ihm bewusst, wie wichtig die feste Verankerung im Bezirk und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Politik, Verwaltung, Feuerwehr, Hilfsorganisationen und weiteren Partnern für die Entwicklung eines Ortsverbandes sind. Die Verbindungen, die Ulrich Vogel über viele Jahre aufbaute und pflegte, wirken bis heute fort.
Sein Wirken zeigte sich jedoch nicht nur in Gremien und offiziellen Funktionen. Besonders nachhaltig war seine Fähigkeit, andere Menschen für das THW zu gewinnen und ihnen Verantwortung zuzutrauen. Mancher berufliche und ehrenamtliche Weg innerhalb der Organisation begann mit einem Gespräch mit Ulrich Vogel. Menschen folgten ihm nicht allein wegen seines Amtes, sondern weil sie ihm vertrauten. Er konnte überzeugen, weil er selbst vorlebte, was er von anderen erwartete: Pflichtbewusstsein, Verlässlichkeit, Sachkenntnis und die Bereitschaft, für die Gemeinschaft einzustehen.
Für seine Verdienste erhielt Ulrich Vogel zahlreiche Auszeichnungen. Im Jahr 2007 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen. 2016 zeichnete ihn das Land Berlin für mehr als 50 Jahre im Bevölkerungsschutz aus. Im selben Jahr erhielt er zum Abschied aus Berlin die Ehrennadel der THW-Bundesvereinigung in Silber. Diese Ehrungen würdigten ein außergewöhnliches Engagement. Sie waren jedoch nur sichtbare Zeichen für etwas, das sich in seiner ganzen Bedeutung nicht an Orden oder Urkunden ablesen lässt.
Auch nach der Übergabe der Ortsverbandsleitung im Jahr 2013 blieb Ulrich Vogel dem THW und seinem Ortsverband eng verbunden. Als Fachberater brachte er seine langjährige Erfahrung weiterhin ein, gab sein Wissen weiter und stand der neuen Führung unterstützend zur Seite. Dabei ließ er zugleich den notwendigen Raum für neue Entscheidungen und Entwicklungen.
2016 verließ Ulrich Vogel Berlin und zog nach Niedersachsen zu seiner Familie. Der Abschied fiel vielen schwer. Im damaligen Bericht des Ortsverbandes wurde er liebevoll als „unser Uli“ bezeichnet. Diese wenigen Worte zeigen, welchen Platz er im Ortsverband hatte. Für viele blieb er ein vertrauter Weggefährte, der mit dem Ortsverband und den Menschen im THW eng verbunden war. Doch auch nach dem Umzug blieb das THW Teil seines Lebens. Im Ortsverband Northeim brachte er sich weiterhin ein, unter anderem in der Öffentlichkeitsarbeit. Noch 2024 wurde er dort für 60 Jahre Zugehörigkeit zum Technischen Hilfswerk geehrt und ausdrücklich als weiterhin aktive Einsatzkraft gewürdigt. Selbst nach sechs Jahrzehnten war sein Engagement damit nicht bloß Erinnerung.
Heute nehmen wir Abschied von einem Menschen, der einen erheblichen Teil seines Lebens in den Dienst anderer gestellt hat. Wir erinnern uns an einen erfahrenen Einsatzleiter, einen sachkundigen Fachberater und einen Ortsbeauftragten, der Verantwortung nicht als Privileg, sondern als Verpflichtung verstand. Wir erinnern uns an einen Menschen, der auch in schwierigen Situationen Ruhe bewahrte, der Klartext sprechen konnte und der zugleich wusste, dass Zusammenhalt nicht angeordnet werden kann, sondern jeden Tag neu entstehen muss.
Was von Ulrich Vogel bleibt, sind deshalb nicht nur Fotografien, Auszeichnungen und Berichte über vergangene Einsätze. Es bleibt ein Ortsverband, dessen Entwicklung er über Jahrzehnte geprägt hat. Seine Erfahrungen und sein Wissen leben in all jenen weiter, an die er sie über viele Jahre weitergegeben hat. Viele Menschen fanden durch ihn den Weg zum THW, lernten von seiner Erfahrung oder übernahmen gemeinsam mit ihm Verantwortung. Unvergessen bleiben die gemeinsamen Dienste und Einsätze, die zahlreichen Gespräche, die schwierigen Entscheidungen und jene besonderen Momente, in denen aus dem gemeinsamen Auftrag ein tiefes Gefühl von Zusammenhalt und Gemeinschaft entstand. Viele der heutigen Strukturen und Verbindungen tragen seine Handschrift, auch wenn dies im täglichen Dienst nicht immer sichtbar ist. Sein Wirken lebt dort weiter, wo Einsatzkräfte füreinander einstehen, wo Erfahrung an die nächste Generation weitergegeben wird und wo Menschen bereit sind, Verantwortung für andere zu übernehmen.
Der Tod von Ulrich Vogel erfüllt uns mit tiefer Trauer. Zugleich empfinden wir große Dankbarkeit. Dankbarkeit für mehr als sechs Jahrzehnte im Dienst des THW. Für seine Tatkraft, seine Beständigkeit und sein Verantwortungsbewusstsein. Für die Zeit, die er anderen Menschen schenkte. Für das Vertrauen, das er in Helferinnen und Helfer setzte. Und für das Fundament, auf dem nachfolgende Generationen weiterarbeiten konnten.
Unsere Gedanken und unser Mitgefühl gelten seiner Familie, seinen Angehörigen und Freunden. Zugleich fühlen wir uns allen Weggefährten in Berlin und Northeim sowie den vielen Menschen im Technischen Hilfswerk verbunden, die Ulrich Vogel kannten, mit ihm gemeinsam Verantwortung trugen und nun Abschied von ihm nehmen müssen. Sein Wirken und die Erinnerung an ihn werden in unserer Gemeinschaft weiterleben. Wir werden Ulrich Vogel stets ein ehrendes Andenken bewahren.
Wir werden Ulrich Vogel ein ehrendes Andenken bewahren.
Lieber Uli, danke für alles.
Du wirst unserem Ortsverband und der gesamten THW-Familie fehlen.
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