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Die Suche nach den Überlebenden

Beim ersten bundesweiten Treffen der THW-Rettungshundeteams kamen in Berlin rund 80 Einsatzkräfte mit etwa 90 Hunden zusammen. Vier Tage lang trainierten sie Flächen- und Trümmersuche sowie Mantrailing, verglichen Ausbildungsstände und arbeiteten an Fähigkeiten, deren Bedeutung sich meist erst dann zeigt, wenn Zeit zum entscheidenden Faktor wird. Federführend vorbereitet und organisiert wurde das Treffen von unserem THW-Ortsverband Berlin Steglitz-Zehlendorf.

Noch bevor die eigentliche Suche beginnt, verändert sich die Atmosphäre auf dem Gelände. Türen von Einsatzfahrzeugen schlagen zu, Ausrüstung wird geprüft, Funkgeräte werden verteilt. Aus den Transportboxen dringt vereinzeltes Bellen. Einige Hunde warten ruhig, andere verfolgen jede Bewegung ihrer Hundeführerinnen und Hundeführer. Sie wissen nicht, was das vorbereitete Szenario vorsieht. Aber sie merken, dass ihre Arbeit gleich beginnt. Dann öffnen sich die Boxen. Ein Hund läuft in ein beschädigtes Gebäude und verschwindet zwischen Mauern, schmalen Durchgängen und Hindernissen. Sein Mensch bleibt zunächst zurück, beobachtet und gibt nur wenige Signale. Der Hund arbeitet weitgehend selbstständig. Er wechselt die Richtung, prüft die Witterung, sucht Öffnungen und dunkle Bereiche ab. Wenig später bleibt er an einer Stelle, bellt anhaltend und zeigt damit seinen Fund an. Es ist eine Übung. Die vermisste Person gehört zum Szenario, die Gefahren sind kontrolliert und im Hintergrund stehen Menschen bereit, die notfalls eingreifen können. Die Fähigkeiten, die hier trainiert werden, sind jedoch für Situationen bestimmt, in denen es diese Sicherheiten nicht mehr gibt. Nach einem Gebäudeeinsturz, einer Explosion oder einem Erdbeben ist die frühere Ordnung eines Ortes verschwunden. Räume sind kaum noch als Räume zu erkennen. Treppen führen ins Leere, Decken liegen übereinander, Hohlräume bleiben von außen unsichtbar. Staub, Lärm und instabile Bauteile erschweren jede Orientierung. Unter den Trümmern kann ein Mensch liegen, unsichtbar für alle, die von außen suchen. Vielleicht bleiben nur Minuten. Genau auf diesen Moment bereiten sich die Rettungshundeteams des Technischen Hilfswerks vor.

Erstmals aus dem gesamten Bundesgebiet

Vom 26. bis 29. März 2026 kamen in Berlin erstmals Rettungshundeteams des Technischen Hilfswerks aus dem gesamten Bundesgebiet zu einem gemeinsamen Treffen zusammen. Vertreten waren 19 Ortsverbände aus sieben THW-Landesverbänden. Knapp 80 Hundeführerinnen und Hundeführer arbeiteten mit rund 90 Hunden. Für unseren Ortsverband bedeuteten diese vier Tage weit mehr als die Teilnahme an einer großen Ausbildung. Als Gastgeber mussten wir Ausbildungsorte erschließen, Suchszenarien vorbereiten und die Abläufe für Dutzende Mensch-Hund-Teams koordinieren. Was später wie ein reibungsloser Ausbildungsbetrieb wirkte, war das Ergebnis langer Vorbereitung. Ich begleitete die Tage erneut als Gruppenführer des MediaTeams im THW-Landesverband Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt. Meine Arbeit führte mich zu den Suchteams, zur Übungsleitung und an die verschiedenen Ausbildungsorte. Damit blieb der Blick nicht auf Distanz, sondern führte mitten hinein in die Abläufe und dorthin, wo sich zeigte, was diese Arbeit tatsächlich verlangt. Aus dieser Nähe verflüchtigt sich schnell jedes romantische Bild der Rettungshundearbeit. Der Hund ist weder Maskottchen noch sympathisches Beiwerk, sondern Teil einer spezialisierten Einsatzfähigkeit. Seine Leistung beruht nicht allein auf einem ausgeprägten Geruchssinn, sondern auf Ausbildung, Motivation und dem über Jahre gewachsenen Zusammenspiel mit seinem Menschen. Was während einer Suche in wenigen Minuten gelingt, ist über Jahre erarbeitet worden.

Zwischen Erfahrung und erstem Suchauftrag

Auf einem Treffen dieser Größe begegnen sich sehr unterschiedliche Ausbildungsstände. Erfahrene Hunde warten ruhig auf ihren Einsatz, kennen die Abläufe und beginnen auch in einer fremden Umgebung konzentriert mit ihrer Arbeit. Bei jungen Hunden sieht das noch anders aus. Für sie geht es zunächst darum, die Aufgabe überhaupt zu verstehen. Ein Mensch entfernt sich sichtbar, nimmt ein Spielzeug mit und versteckt sich zunächst nur in geringer Entfernung. Der Hund darf beobachten, folgt und erhält seine Belohnung, sobald er die Person erreicht. Später verschwindet die Sichtverbindung. Die Verstecke werden schwieriger, die Suchbereiche größer und die Ablenkungen zahlreicher. Was einfach aussieht, folgt einem präzisen Ausbildungsweg. Der Hund muss lernen, die Suche selbstständig und ausdauernd zu verfolgen. Gleichzeitig lernt der Mensch, kleinste Veränderungen im Verhalten seines Hundes zu lesen. Er muss erkennen, wann der Hund Witterung aufnimmt oder wieder verliert, wann sich ein möglicher Fund abzeichnet und wann Unterstützung notwendig ist. Ebenso wichtig ist die Erfahrung, im richtigen Moment nicht einzugreifen. Zwischen dieser ersten, beinahe spielerischen Suche und einem einsatzfähigen Rettungshundeteam liegen Jahre mit Wiederholungen, Prüfungen und zwangsläufig auch Rückschlägen. Nicht jeder Hund erreicht das Ziel, nicht jedes Mensch-Hund-Team geht den Weg bis zum Ende. Wer diesen Weg erfolgreich durchläuft, wird Teil eines einsatzfähigen Teams, dessen besondere Leistung sich technisch bis heute nicht vollständig ersetzen lässt.

Suche in der Fläche

Am Freitag stand die Flächensuche im Mittelpunkt. Die Teams arbeiteten in weitläufigen und teilweise schwer zugänglichen Bereichen. Solche Einsätze können beispielsweise notwendig werden, wenn Menschen nach Unwettern vermisst werden, ältere oder orientierungslose Personen nicht zurückkehren, Kinder in unbekanntes Gelände geraten oder sich Mountainbiker abseits befestigter Wege verletzen und nicht mehr aus eigener Kraft zurückkehren können. Auch eine Millionenstadt wie Berlin bietet dafür genügend denkbare Einsatzräume. Wer nur an Straßenschluchten, Verkehr und dichte Bebauung denkt, übersieht die ausgedehnten Wald-, Park- und Ufergebiete der Stadt und ihres brandenburgischen Umlands. Grunewald, Düppeler Forst oder weitläufige Bereiche entlang der Havel können bei einer Vermisstensuche schnell zu großen und unübersichtlichen Suchräumen werden. Die Stadt endet aus Sicht eines Rettungshundes nicht an der Bordsteinkante. Bei der Flächensuche folgt der Hund nicht der individuellen Spur einer bestimmten Person. Er sucht frei nach menschlicher Witterung. Der Wind trägt Geruch durch das Gelände, sammelt ihn in Senken oder führt ihn an Waldrändern, Gebäuden und anderen Hindernissen entlang. Bewuchs, Wege und Höhenunterschiede verändern die Bedingungen fortwährend.

Die Hundeführerin oder der Hundeführer muss deshalb wesentlich mehr beurteilen als nur die Richtung, in die der Hund läuft. Das Gelände wird taktisch gelesen. Welche Bereiche wurden bereits zuverlässig abgesucht? Wohin trägt der Wind die Witterung? Wo könnte sich ein Mensch aufhalten? Welche Stellen bergen Gefahren für den Hund? Der Hund bewegt sich dabei über weite Strecken selbstständig. Er soll große Bereiche zügig erfassen, muss aber ansprechbar bleiben. Der Mensch führt, ohne jeden Schritt vorzugeben, der Hund sucht, ohne den Bezug zu seinem Menschen zu verlieren. Darin liegt eine der Besonderheiten dieser Arbeit. Es geht weniger um klassischen Gehorsam als um eine gemeinsame Aufgabe, bei der beide Seiten über unterschiedliche Fähigkeiten verfügen. Der Mensch kennt Auftrag und Gelände, der Hund nimmt Informationen wahr, die dem Menschen verborgen bleiben. Erst aus beidem entsteht ein belastbares Suchergebnis.

Einer bestimmten Spur folgen

Zum Ausbildungsprogramm gehörte auch das Mantrailing. Die Personenspürhunde arbeiten nach einem anderen Prinzip als Flächen- oder Trümmersuchhunde. Sie erhalten einen Geruchsgegenstand, der einer konkreten vermissten Person zugeordnet ist, und verfolgen deren individuelle Spur. Diese Spur kann durch Waldgebiete führen, ebenso aber über Straßen, Kreuzungen und durch dicht bebaute Stadtbereiche. Dort wird die Arbeit besonders anspruchsvoll. Andere Menschen kreuzen den Weg, Verkehr und Wind verändern die Geruchsverhältnisse, der Untergrund wechselt zwischen Asphalt, Pflaster, Erde und Vegetation. Wie anspruchsvoll gerade städtische Umgebungen für Rettungshunde sein können, erlebten unsere Teams im Oktober 2025 an einem ungewöhnlichen Ausbildungsort. Sieben Rettungshunde unseres Ortsverbandes trainierten im Stadion An der Alten Försterei. Wo an Spieltagen mehr als 22.000 Menschen zusammenkommen, bleiben unzählige Geruchsspuren zurück. Dazu kommen besondere Luftströmungen, Tribünen, Treppen, Zugänge und geschlossene Räume. Für die Hunde war das Stadion deshalb kein kurioser Trainingsort, sondern ein komplexer Suchraum mitten in Berlin. Der Hund arbeitet dabei an einer langen Leine, während sein Mensch jede Veränderung aufmerksam verfolgen muss. Wer führt hier eigentlich wen? Die Antwort ist weniger eindeutig, als sie zunächst scheint. Der Hundeführer kennt die Aufgabe, aber nicht den Weg. Er muss seinem Hund vertrauen und zugleich erkennen, wann dieser einer Spur sicher folgt, wann er sie überprüft und wann sie abreißt. Wer zu früh eingreift, kann den Hund auf einen Weg zwingen, den lediglich der Mensch für plausibel hält.

Flächensuche, Mantrailing und Trümmersuche verfolgen dasselbe Ziel, unterscheiden sich in ihrer Methodik jedoch grundlegend. Der Personenspürhund sucht nach der individuellen Spur eines bestimmten Menschen. Flächen- und Trümmersuchhunde suchen dagegen innerhalb eines zugewiesenen Bereichs nach jeglicher menschlichen Witterung.

Wenn aus Räumen Trümmer werden

Am folgenden Tag wechselte das Szenario. Nun stand die Suche nach verschütteten und eingeschlossenen Menschen im Mittelpunkt. Ein Trümmerfeld stellt andere Anforderungen als eine offene Fläche. Der Untergrund ist instabil, scharfkantig und unübersichtlich. Der direkte Weg ist häufig versperrt. Menschliche Witterung tritt zudem nicht zwangsläufig dort aus, wo sich eine verschüttete Person tatsächlich befindet. Luft bewegt sich durch Spalten, Schächte und Hohlräume und kann Geruch an anderer Stelle nach außen tragen.

Der Hund muss sich auf wechselndem und unsicherem Untergrund bewegen können. Geräusche, fremde Menschen und andere Hunde dürfen ihn nicht aus seiner Aufgabe bringen. Gleichzeitig muss er einen Fund so eindeutig anzeigen, dass seine Hundeführerin oder sein Hundeführer ihn sicher erkennt und weitergeben kann. Für den Menschen kommt eine weitere Verantwortung hinzu. Er beurteilt nicht nur die Suchleistung, sondern fortwährend auch die Gefahren für seinen Hund. Ein reales Trümmerfeld ist kein Trainingsparcours. Instabile Bauteile, scharfe Kanten und mögliche Nachbrüche verlangen Aufmerksamkeit bei jedem Schritt. Routine ist notwendig, Sorglosigkeit wäre gefährlich. Für unsere Fachgruppe Ortung gehört genau dieses Umfeld zum regelmäßigen Ausbildungsprogramm. Im April 2025 nutzten Einsatzkräfte aus Berlin Steglitz-Zehlendorf beispielsweise das rund 25.000 Quadratmeter große Trümmergelände des Bundesverbandes Rettungshunde in Malchin. Dort arbeiteten sechs unserer Rettungshunde gemeinsam mit technischer Ortung und dem Trupp Unbemannte Luftfahrtsysteme. Gerade bei einer Nachtübung zeigte sich, wie eng biologische Ortung, technische Verfahren und Drohnenaufklärung zusammenspielen können. Mehrere unserer Mensch-Hund-Teams stellten dort zugleich ihre Einsatzfähigkeit in Prüfungen unter Beweis. Die biologische Ortung ist in solchen Lagen auf die Suche nach Überlebenden ausgerichtet. Der Hund arbeitet einen zugewiesenen Bereich auf menschliche Witterung ab. Zeigt er dort einen möglichen Fund an, richtet sich die Aufmerksamkeit auf diese Stelle. Technische Ortungsverfahren können diesen ersten Hinweis anschließend überprüfen und die Position einer verschütteten Person genauer eingrenzen, bevor ein Zugang geschaffen und die eigentliche Rettung vorbereitet wird.

In einer komplexen Schadenslage kann diese eine Anzeige die Prioritäten eines ganzen Einsatzabschnitts verändern. Kräfte und Gerät werden verlagert, ein Bereich erhält Vorrang, technische Ortung und Bergung setzen dort an. Aus einem kurzen Moment, in dem der Hund Witterung aufnimmt und seinen Fund anzeigt, können viele Stunden schwieriger Rettungsarbeit folgen.

Kein Wettbewerb zwischen Hund und Technik

Die Frage liegt nahe, greift aber zu kurz: Können Drohnen, Wärmebildkameras und moderne Ortungssysteme den Rettungshund ersetzen? Im Einsatz geht es nicht um einen Wettbewerb zwischen biologischer und technischer Ortung. Die Verfahren erfassen unterschiedliche Hinweise und haben jeweils eigene Stärken. Eine Drohne kann große Bereiche aus der Luft erkunden und einen schnellen Überblick über schwer zugängliche Abschnitte liefern. Wärmebildkameras können Temperaturunterschiede sichtbar machen. Akustische und bildgebende Ortungssysteme können Hinweise überprüfen und die Position einer verschütteten Person genauer bestimmen. Der Hund arbeitet anders. Er kann in kurzer Zeit große oder schwer zugängliche Bereiche absuchen und menschliche Witterung auch dort wahrnehmen, wo kein direkter Sichtkontakt besteht. Seine Stärke liegt in Geschwindigkeit, Beweglichkeit und einem Geruchssinn, dessen Leistungsfähigkeit sich technisch nur schwer nachbilden lässt. Zeigt ein Hund an, beginnt deshalb häufig erst die nächste Phase. Einsatzkräfte der technischen Ortung untersuchen den Bereich, verdichten die Hinweise und versuchen, die Lage einer Person möglichst genau einzugrenzen. Erst danach können Bergungs- und Rettungskräfte gezielt einen sicheren Zugang schaffen.

Biologische und technische Ortung stehen nicht gegeneinander. Sie greifen ineinander.
Gerade unser Ortsverband kann dieses Zusammenspiel innerhalb der eigenen Strukturen abbilden. Die Fachgruppe Ortung Typ A verbindet biologische und technische Ortung. Hinzu kommt mit dem Trupp Unbemannte Luftfahrtsysteme eine weitere Möglichkeit der Lageerkundung aus der Luft. Entscheidend ist deshalb nicht die Frage, ob Hund oder Technik überlegen ist. Entscheidend ist, welche Methode in welcher Phase eines Einsatzes die Information liefert, die gerade fehlt. Es gehört zu den stillen Wahrheiten des Bevölkerungsschutzes, dass nicht immer das Auffällige das Entscheidende ist. Fahrzeuge und technische Ausstattung prägen den ersten Eindruck. Wenn eine Lage jedoch kippt, Räume zu Trümmerfeldern werden und Zeit plötzlich einen anderen Wert bekommt, verschiebt sich der Maßstab. Dann treten jene spezialisierten Fähigkeiten hervor, die im Alltag leicht im Hintergrund bleiben. Die Rettungshundearbeit gehört dazu.

Eine seltene Komponente

Wie selten diese Fähigkeit tatsächlich ist, zeigt erst der Vergleich. Bundesweit bilden 668 Bergungsgruppen das flächendeckende Rückgrat der technischen Hilfe im THW. Eine biologische Ortungskomponente gibt es dagegen nur in 32 Fachgruppen Ortung. 23 davon sind Fachgruppen Typ A mit biologischer und technischer Ortung, neun Fachgruppen Typ B konzentrieren sich auf die biologische Ortung. Rechnerisch kommt damit auf rund 21 Bergungsgruppen lediglich eine Fachgruppe mit Rettungshundekomponente. Diese 32 Fachgruppen verteilen sich über das gesamte Bundesgebiet. Gemeinsame Ausbildung ist deshalb keine Selbstverständlichkeit. Gerade deshalb lag die Bedeutung des ersten bundesweiten Treffens weit über zusätzlichen Übungsstunden hinaus. Für unseren Ortsverband als Gastgeber bekam dieser Austausch eine zusätzliche Dimension. Wir konnten Teams zusammenbringen, die im normalen Ausbildungsalltag oft Hunderte Kilometer voneinander entfernt arbeiten. Die vier Tage in Berlin boten damit etwas, was selbst regelmäßige Ausbildung auf dem eigenen Gelände kaum leisten kann: den unmittelbaren Vergleich unterschiedlicher Erfahrungen, Ausbildungswege und Arbeitsweisen. Vieles davon lässt sich nicht in Besprechungsräumen vermitteln. Man beobachtet ein anderes Team bei der Suche, spricht anschließend über das Verhalten des Hundes, über Wind und Gelände, über eine Anzeige oder darüber, warum an einer bestimmten Stelle ein anderer Ansatz gewählt wurde. Erfahrung wird dort ausgetauscht, wo sie gerade entsteht. Das hat einen sehr praktischen Hintergrund. Bei größeren Schadenslagen können Kräfte aus mehreren Landesverbänden zusammengeführt werden, die zuvor noch nie gemeinsam im Einsatz standen und deren Heimatstandorte Hunderte Kilometer voneinander entfernt liegen. Dann müssen Verfahren, eine gemeinsame Fachsprache und ein Verständnis füreinander bereits vorhanden sein. Gemeinsame Standards und das Wissen darüber, wie andere Teams arbeiten, schaffen jene Verlässlichkeit, die sich unter Einsatzbedingungen nicht erst entwickeln lässt. Einsatzfähigkeit beginnt deshalb nicht mit der Alarmierung. Zu diesem Zeitpunkt muss sie längst vorhanden sein.

Ehrenamt mit hohem Zeitbedarf

Wer im THW mit einem Rettungshund arbeiten möchte, beginnt nicht unmittelbar mit der Hundearbeit. Am Anfang steht die Grundausbildung, in der jene grundlegenden Fähigkeiten vermittelt werden, die jede THW-Einsatzkraft benötigt. Die Spezialisierung folgt erst danach. Eine Hundeführerin oder ein Hundeführer bleibt damit immer auch THW-Einsatzkraft. Wenn die Lage es erfordert, werden Sandsäcke gefüllt, Material bewegt oder andere Aufgaben der Gefahrenabwehr übernommen. Die Arbeit mit dem Hund ist eine zusätzliche Qualifikation und keine vom übrigen Einsatzgeschehen losgelöste Welt. Die Ausbildung des Mensch-Hund-Teams erstreckt sich über mehrere Jahre. Trainiert wird regelmäßig, teilweise mehrmals in der Woche. Lehrgänge, Prüfungen und überregionale Ausbildungsmaßnahmen kommen hinzu. Mit einer bestandenen Prüfung ist diese Arbeit nicht abgeschlossen. Ausbildung und Training müssen fortgesetzt werden, damit das Team seine Einsatzfähigkeit behält. Dieses Engagement endet nicht mit dem Dienstabend. Der Rettungshund lebt bei seiner Hundeführerin oder seinem Hundeführer und ist außerhalb von Ausbildung und Einsatz Teil der Familie. Dienst und Alltag lassen sich deshalb nicht vollständig voneinander trennen. Auch das tägliche Zusammenleben prägt Bindung, Vertrauen und Führbarkeit.

Im Ortsverband Berlin Steglitz-Zehlendorf trainieren die Rettungshundeteams zeitweise bis zu dreimal in der Woche. Danach verschwinden die Hunde nicht in einem Lager oder einer Fahrzeughalle. Sie fahren mit nach Hause. Gerade darin unterscheidet sich diese Fähigkeit von nahezu jeder technischen Ausstattung des Bevölkerungsschutzes. Ein Fahrzeug wird nach dem Dienst abgestellt, ein Ortungsgerät verstaut. Der Rettungshund bleibt bei seinem Menschen. Die Partnerschaft, von der im Einsatz Verlässlichkeit verlangt wird, setzt sich im Alltag fort.

Vom Berliner Ausbildungsplatz bis zum Auslandseinsatz

Wie unmittelbar eine solche Fähigkeit gebraucht werden kann, zeigte sich wenige Monate nach dem Berliner Treffen erneut. Nach zwei schweren Erdbeben in Venezuela wurde im Juni 2026 die Schnell-Einsatz-Einheit Bergung Ausland des THW, die SEEBA, in Marsch gesetzt. 48 Einsatzkräfte reisten mit rund 15 Tonnen Ausrüstung und vier Rettungshundeteams in das Katastrophengebiet, um gemeinsam mit weiteren internationalen Kräften nach Überlebenden in zerstörten Gebäuden zu suchen. Die dort eingesetzten Rettungshundeteams kamen nicht aus unserem Ortsverband. Dennoch führt von der Ausbildung in Berlin eine direkte fachliche Linie zu solchen Einsätzen. Prüfungsanforderungen, Suchverfahren und das Zusammenspiel von biologischer und technischer Ortung dienen demselben Ziel: Ein Mensch-Hund-Team muss unter Bedingungen funktionieren können, die sich nicht planen lassen. Venezuela steht in einer langen Reihe von Katastrophen, bei denen solche Fähigkeiten benötigt wurden. THW-Rettungshundeteams waren unter anderem nach der Explosion im Hafen von Beirut 2020 und nach dem schweren Erdbeben in der Türkei 2023 im Einsatz.

Kein Katastrophenort gleicht dem anderen. Sprache, Klima, Infrastruktur und die Bedingungen vor Ort wechseln, ebenso das Bild der Zerstörung. Der Auftrag hingegen bleibt bemerkenswert konstant: Hinweise auf Überlebende finden, ihre Position eingrenzen und den Weg für eine Rettung öffnen. Es sind die Bilder aus diesen Einsätzen, die im Gedächtnis bleiben. Hunde auf Trümmern, Einsatzkräfte zwischen zerstörten Gebäuden, Suchteams, die nach langen Stunden weiterarbeiten. Was auf diesen Bildern kaum sichtbar wird, sind die Jahre davor. Kein Rettungshund lernt seine Aufgabe am Tag der Katastrophe. Jede sichere Bewegung auf schwierigem Untergrund, jede eindeutige Anzeige und jede ruhige Reaktion auf Lärm wurde vorher immer wieder trainiert. Eine außergewöhnliche Lage wird am Ende mit Fähigkeiten bewältigt, die an ganz gewöhnlichen Ausbildungsabenden entstanden sind.

Für unsere Teams können solche Ausbildungsabende in Lankwitz beginnen, in einem Berliner Stadion weitergehen oder auf einem Trümmergelände mehrere hundert Kilometer entfernt enden. Der Ort verändert sich, die Aufgabe nicht. Hund und Mensch müssen lernen, auch dort zuverlässig zu arbeiten, wo nichts mehr vertraut ist. Darin liegt eine nüchterne Logik des Bevölkerungsschutzes: Solange nichts geschieht, bleibt Vorbereitung weitgehend unsichtbar. Erst wenn Improvisation nicht mehr genügt, zeigt sich ihr Wert.

Mehr als ein Ausbildungswochenende

Das Treffen in Berlin war keine Leistungsschau. Es ging nicht um den schnellsten Hund und nicht um das eindrucksvollste Team. Im Mittelpunkt standen Ausbildung, Erfahrung und Vernetzung. Erfahrene Teams arbeiteten unter ungewohnten Bedingungen, Nachwuchshunde sammelten neue Eindrücke, Hundeführerinnen und Hundeführer begegneten Einsatzkräften und Ausbildern aus anderen Teilen Deutschlands. Verfahren wurden bestätigt, hinterfragt und weiterentwickelt. Doch ein Treffen mit rund 80 Einsatzkräften und etwa 90 Hunden funktioniert nicht allein an den Suchstellen. Hinter der eigentlichen Ausbildung entstand für vier Tage ein eigener logistischer Betrieb, der eher an ein kleines Feldlager erinnerte als an einen gewöhnlichen Ausbildungsdienst. Unterkunft, Verpflegung, Stromversorgung, Sanitäranlagen, Materialerhaltung, Verkehrsführung und die Betreuung der Gäste mussten gleichzeitig funktionieren, auch dann, wenn die meisten Teilnehmenden längst auf den Ausbildungsflächen unterwegs waren oder nachts schliefen. Unser Ortsverband richtete deshalb einen System Bereitstellungsraum ein, der die unterschiedlichen logistischen und organisatorischen Anforderungen unter einer gemeinsamen Führungsstruktur zusammenführte. Für viele Gäste begann dieser Betrieb bereits vor der eigentlichen Ankunft. Schon am frühen Morgen nahm die Führungsstelle des System Bereitstellungsraums den Funkbetrieb auf. Damit hatten auch die noch auf dem Anmarsch befindlichen Kräfte einen festen Ansprechpartner, falls es unterwegs zu Verzögerungen oder anderen Problemen kam. Ein Lotsenpunkt nahm die anreisenden Teams an einer Tankstelle an der B 101, kurz vor der Berliner Stadtgrenze, in Empfang. Nach teilweise sehr langen Anfahrten sollten die Fahrzeuge zunächst vollgetankt werden, damit ihre Einsatzbereitschaft erhalten blieb. In den Hauptanreisezeiten war dafür eigens eine Zapfsäule reserviert. Anschließend wurden die Teams zum Bereitstellungsraum eskortiert. Das erleichterte nicht nur die Orientierung auf den letzten Kilometern. Es war zugleich eine kleine, aber bewusst gesetzte Geste der Gastfreundschaft: Wer nach mehreren Stunden Fahrt Berlin erreichte, sollte nicht erst nach Zufahrten, Stellplätzen oder Ansprechpartnern suchen müssen. Die letzten Teilnehmenden trafen erst gegen Mitternacht ein. Auch sie wurden am Lotsenpunkt erwartet und von dort weitergeführt. Auch bei der Abreise wurde dieses Verfahren genutzt. Ein Meldekopf erfasste die eintreffenden Kräfte, prüfte ihre Vollständigkeit und berücksichtigte personelle Änderungen. Anschließend wies er den Teilnehmenden die bereits vorbereiteten Zeltplätze zu. Parkplatzeinweiser ordneten währenddessen den Fahrzeugverkehr auf dem Gelände, verkürzten Wartezeiten und unterstützten vor der Abfahrt bei Fahrzeugkontrollen, insbesondere bei Mannschaftstransportwagen mit Anhängern.

Verantwortlich für den Aufbau und Betrieb des System Bereitstellungsraums war der Zugführer unseres 1. Technischen Zuges. Organisatorisch orientierte sich die Struktur am System Bereitstellungsraum 500 des THW. Damit war das mehrtägige Treffen zugleich eine anspruchsvolle logistische Aufgabe mit klaren Führungs-, Betriebs- und Versorgungsstrukturen. Drei Lkw-Gespanne brachten allein das Feldlagermaterial aus der Landesschule und Technischen Einrichtung für Brand- und Katastrophenschutz, der LSTE Brandenburg, nach Berlin. Zum Aufbau des Feldlagers gehörten acht luftgestützte Zelte sowie zwei Stangenzelte mit isolierender Doppelzeltwand und eigenem Boden. Hinzu kamen zwei Großzelte aus dem THW-Landesverband Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, eines als Aufenthaltsbereich und eines für den Küchenbetrieb.Unterstützung kam aus verschiedenen Strukturen des Landesverbandes und anderer Ortsverbände. Auf unserem Gelände entstand eine regelrechte Zeltstadt mit modernen, beheizbaren Zelten für die Übernachtungsgäste. Dazu kamen zwei große Sanitärcontainer, in denen Toiletten und Duschen kombiniert waren. Sie wurden durch eigene Einsatzkräfte angeschlossen und in die Infrastruktur des Feldlagers eingebunden. Was am Ende wie eine temporäre Unterkunft wirkte, verlangte im Aufbau und Betrieb eine eigene Infrastruktur aus Strom, Wärme, Wasser, Abwasser, Beleuchtung und ständig verfügbaren Ansprechpartnern.

Allein die Energieversorgung vermittelt einen Eindruck von der Größenordnung. Eine Netzersatzanlage mit 310 kVA versorgte den Zeltbereich, darunter zehn Klimaheizgeräte mit zusammen 168 kW elektrischer Leistung. Eine weitere NEA mit 175 kVA speiste Küche, Verpflegungszelt und Sanitärcontainer. Für den Bereich der Logistik-Materialerhaltung stand eine dritte Anlage mit 60 kVA bereit. Das Versorgungskonzept war bewusst auf mehrere Systeme verteilt. Die Stromversorgung von Feldlager und Logistikbereich war damit voneinander getrennt und zugleich redundant ausgelegt. Ein technisches Problem oder eine notwendige Wartung an einer Stelle sollte nicht den gesamten Bereitstellungsraum außer Betrieb setzen. Die Außentemperaturen lagen zeitweise um den Gefrierpunkt. Das betraf nicht nur die Menschen. Einige Hunde verbrachten ihre Ruhephasen in Hundeanhängern. Vier Fahrzeughallen wurden deshalb durchgängig auf etwa 20 Grad beheizt. Zwei zusätzliche Heizlüfter mit jeweils 30 kW sorgten dafür, dass auch dort Bedingungen herrschten, unter denen sich die Tiere zwischen ihren Ausbildungsabschnitten erholen konnten. Gerade an diesem Detail zeigte sich, wie weit die Planung gehen musste. Ein Feldlager für Rettungshundeteams hat andere Anforderungen als eine Unterkunft ausschließlich für Menschen.

Ein eigens gebildeter Infrastrukturtrupp aus Einsatzkräften unserer Fachgruppen Elektroversorgung, Notversorgung und Notinstandsetzung sowie Wasserschaden/Pumpen sicherte den technischen Betrieb. Dabei wurden Anlagen und Versorgungseinrichtungen rund um die Uhr kontrolliert. Zugleich behielt das Betriebspersonal die allgemeine Sicherheit sowie die Einhaltung der Haus- und Feldlagerordnung im Blick. Der Bereitstellungsraum selbst wurde rund um die Uhr durch Fachpersonal unseres Ortsverbandes betreut. Das Betriebspersonal war entsprechend gekennzeichnet und damit für die Teilnehmenden als Ansprechpartner erkennbar. Dahinter stand ein bewusstes Prinzip: Wer Hilfe oder eine Information brauchte, sollte nicht erst herausfinden müssen, wer zuständig war. Auch die Führungsorganisation reichte bis in solche scheinbaren Details. Ein Meldekopf unterstützte in der Tagschicht die Führungsstelle beim Abrücken der Gruppen zu ihren Ausbildungsorten und bei ihrer Rückkehr. Damit blieb nachvollziehbar, welche Teams sich im Bereitstellungsraum befanden und welche unterwegs waren. Was bei einem Ausbildungswochenende zunächst nach zusätzlichem Verwaltungsaufwand klingt, entspricht genau jener Ordnung, die bei größeren Einsatzlagen und in einem System Bereitstellungsraum unverzichtbar ist, wenn zahlreiche Einheiten gleichzeitig geführt, bewegt und versorgt werden müssen.

Während die Rettungshundeteams tagsüber auf den Ausbildungsstellen arbeiteten, ruhte der Betrieb im Feldlager keineswegs. Gerade diese Stunden wurden genutzt, um das System für die Rückkehr der Teilnehmenden wieder vorzubereiten. Aufenthaltszelt, Tische und Bänke wurden gereinigt, die Sanitärcontainer kontrolliert und neu bestückt. Die Netzersatzanlagen für Feldlager und Logistikbereich wurden planmäßig abgeschaltet, überprüft, gewartet und neu betankt. Bei den luftgestützten Zelten wurden Standfestigkeit, Verbindungen und Heizgeräte kontrolliert. Am Abend sollten die zurückkehrenden Teams möglichst wenig davon bemerken, wie viel Arbeit während ihrer Abwesenheit geschehen war. Ähnlich unspektakulär und ebenso notwendig arbeitete die Logistik-Materialerhaltung aus dem THW-Ortsverband Brandenburg an der Havel. Kleinere Schäden an Mannschaftstransportwagen, Anhängern und Geräten konnten unmittelbar vor Ort behoben werden. Aus einem technischen Problem musste so nicht zwangsläufig ein Ausfall für den folgenden Ausbildungstag werden. Gerade bei einem Treffen, zu dem Teams aus dem gesamten Bundesgebiet teilweise mehrere hundert Kilometer angereist waren, hatte diese Fähigkeit einen unmittelbaren praktischen Wert.

Einen anderen Takt bestimmte die Verpflegung. Unsere Fachgruppe Logistik-Verpflegung und die Fachgruppe Logistik-Verpflegung des THW-Ortsverbandes Berlin-Mitte arbeiteten gemeinsam und versorgten sowohl die Teilnehmenden als auch das Betriebspersonal. Frühstück, Mittagessen, Nachmittagsverpflegung und Abendessen mussten geplant, vorbereitet und teilweise zu Zeiten ausgegeben werden, die sich nach dem Ausbildungsbetrieb und nicht nach einem gewöhnlichen Tagesablauf richteten. Das große Verpflegungszelt wurde dabei schnell zu mehr als einer Essensausgabe. Hier trafen Teams am Morgen aufeinander, kamen von den Ausbildungsstellen zurück, besprachen Erlebnisse des Tages oder saßen am Abend noch für einen Moment zusammen. Während der Bereitstellungsraum rund um die Uhr betrieben wurde, zog sich die Versorgung vom frühen Frühstück bis weit in den Abend hinein. Eine warme Mahlzeit, Kaffee und ein beheizter Platz wirken wenig spektakulär. Nach vielen Stunden im Übungsgelände und bei Temperaturen um den Gefrierpunkt bekommen sie ein anderes Gewicht. Was für die Teilnehmenden im besten Fall selbstverständlich erschien, war hinter den Kulissen das Ergebnis zahlreicher ineinandergreifender Aufgaben. Unser Organisationsteam hatte lange vor dem ersten Ausbildungstag begonnen, Standorte zu erkunden und Suchstellen vorzubereiten. Parallel dazu plante die Leitung des Bereitstellungsraums Unterbringung, Sicherheitskonzept, Aufnahme und Versorgung der eintreffenden Kräfte. Erst im Zusammenspiel beider Bereiche wurden die fachliche Ausbildung und der logistische Betrieb zu einem gemeinsamen Ganzen. Während der Veranstaltung mussten Zeitpläne angepasst, Material bewegt, technische Probleme gelöst und immer wieder Entscheidungen getroffen werden, ohne dass der Ausbildungsbetrieb ins Stocken geriet. Das Ziel war dabei mehr als reine Funktionsfähigkeit. Unsere Gäste sollten sich nach ihrer Anreise willkommen und während ihres Aufenthalts gut aufgehoben fühlen, ohne ständig mit den organisatorischen Abläufen im Hintergrund konfrontiert zu werden.

An diesem Betrieb waren weit mehr Einheiten beteiligt als bei einem Rettungshundetreffen zunächst zu erwarten wäre. Aus Brandenburg an der Havel war die Fachgruppe Logistik-Materialwirtschaft mit ihrer Materialerhaltung beteiligt, aus Berlin-Mitte die Fachgruppe Logistik-Verpflegung. Aus unserem Ortsverband wirkten unter anderem der Zugtrupp Logistik, der Zugtrupp des Technischen Zuges sowie Kräfte der Fachgruppen Elektroversorgung, Notversorgung und Notinstandsetzung, Wasserschaden/Pumpen und Ortung mit. Hinzu kamen zahlreiche weitere Helferinnen und Helfer aus den verschiedenen Teileinheiten. So entstand über mehrere Tage ein logistisches System, das von der Ankunft an der Tankstelle über Unterkunft, Verpflegung und Energieversorgung bis zur Reparatur eines Anhängers und zur beheizten Fahrzeughalle für die Hunde reichte. Die eigentliche Qualität dieser Arbeit lag vielleicht gerade darin, dass vieles davon kaum auffiel. Wer ins Zelt kam, fand Wärme, die Duschen funktionierten, Fahrzeuge waren am nächsten Morgen wieder einsatzbereit, die Aggregate liefen, das Essen stand bereit und bei Fragen war ein Ansprechpartner erreichbar. Genau dann funktioniert Logistik so, wie sie funktionieren soll.

Gerade darin zeigt sich eine Seite des THW, die bei Übungen und Einsätzen leicht übersehen wird. Die sichtbare Arbeit an einer Einsatzstelle ist nur ein Teil des Ganzen. Dahinter stehen Führung, Logistik, Materialerhaltung und Versorgung, oft über viele Stunden und manchmal über Tage. Unser Bereitstellungsraum war vier Tage lang selbst eine kleine Einsatzstelle, deren Aufgabe darin bestand, die Einsatzfähigkeit aller anderen zu erhalten. Das bundesweite Rettungshundetreffen zeigte deshalb nicht nur, was biologische Ortung leisten kann. Es zeigte zugleich, was erforderlich ist, damit spezialisierte Einsatzkräfte über mehrere Tage zuverlässig arbeiten können. Viele dieser Leistungen bleiben im Hintergrund. Ihre Qualität zeigt sich gerade darin, dass sie für diejenigen, die darauf angewiesen sind, beinahe selbstverständlich erscheinen. Hinter dem sichtbaren Training stand damit ein erheblicher organisatorischer und logistischer Aufwand. Getragen wurde er nicht von einer einzelnen großen Leistung, sondern von vielen vorbereiteten Details und Menschen, die an den richtigen Stellen Verantwortung übernahmen. Von der ersten Einweisung eines ankommenden Gespanns bis zur Kontrolle der letzten Heizung in der Zeltstadt gehörte alles zu demselben System.

Auch darin zeigt sich etwas Typisches für den Bevölkerungsschutz: Vieles von dem, was im entscheidenden Moment wie selbstverständlich funktionieren soll, ist zuvor das Ergebnis genauer Planung, wiederholter Ausbildung und vieler kleiner Entscheidungen. Das gilt für das gesamte Treffen ebenso wie für das einzelne Mensch-Hund-Team.

Die stille Vorstufe des Ernstfalls

Am Ende eines langen Ausbildungstages wird es ruhiger auf dem Gelände. Die Hunde kehren in ihre Boxen oder zu ihren Menschen zurück, Leinen werden zusammengerollt, Ausrüstung verstaut. In den letzten Gesprächen geht es noch einmal um Suchverhalten, Witterung, Gelände und einzelne Entscheidungen während der Ausbildung. Zurück bleibt weniger ein heroisches Bild als eine einfache Erkenntnis: Resilienz beginnt nicht mit der Katastrophe. Sie entsteht vorher, in regelmäßiger Ausbildung, in gemeinsam entwickelten Standards und in der Bereitschaft ehrenamtlicher Einsatzkräfte, über Jahre an Fähigkeiten zu arbeiten, die sie hoffentlich nie unter realen Bedingungen einsetzen müssen. Wenn der Ernstfall dennoch kommt, zählen weder Übungspläne noch die vielen Stunden, die bis dahin investiert wurden. Dann muss tragen, was über Jahre entstanden ist: die Ausbildung des Hundes, die Erfahrung seines Menschen und das Vertrauen zwischen beiden.

Damit führt der Weg zurück zu jenem Augenblick am Beginn des Treffens, für das unser Ortsverband Rettungshundeteams aus ganz Deutschland nach Berlin zusammengebracht hatte. Die Tür einer Transportbox öffnet sich, der Hund springt hinaus und beginnt zu suchen. Im Training wartet irgendwo ein Mensch, der weiß, dass er gefunden werden soll. Im Einsatz kann dort jemand liegen, der nicht weiß, ob die Hilfe ihn rechtzeitig erreicht. Dann zählt jede Minute.