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Vom Einsatz zum Tag der offenen Tür – Kooperation mit der Feuerwache Prenzlauer Berg

Es begann mit einer Feuerwehrbereitschaft, einem gemeinsamen Dienst im Auftrag der Berliner Feuerwehr, den gerade die älteren Mitglieder unseres Ortsverbandes schon lange kennen. Daraus entwickelte sich eine schöne Sommer-Kooperation.

Ende Juli versahen unsere zweite Bergungsgruppe das erste Mal ihren Dienst im Rahmen der Feuerwehrbereitschaft auf der Feuerwache 1300 Prenzlauer Berg. Wie unsere Kameradinnen und Kameraden erfuhren ein historischer Ort: die älteste in Dienst befindliche  Berufsfeuerwehrwache Deutschlands.

Mächtiger Baum versperrt Straße

Der erste, und auch letzte, Einsatz für diesen Samstag sollte dann schnell folgen. Ein umgestürzter Baum erwies sich als so große Herausforderung für Feuerwehr und THW, sodass unser Gerätekraftwagen II mit seiner Mannschaft insgesamt sechs Stunden bis in den späten Nachmittag im Einsatz sein sollte. Gemeinsam mit den Kameradinnen und Kameraden der Berliner Feuerwehr, angerückt mit C-Dienst, Drehleiter, Kran und Rüstwagen, wollte das mächtige Geäst Stück für Stück abgetragen und beseitigt werden, damit die darunterliegende Straße wieder passierbar werden konnte.

Tag der offenen Tür der FW 1300

Auf der Feuerwache kam dann ein Angebot, das wir weder ausschlagen konnten noch wollten: Man fragte unsere Besatzung, ob sie ihre Arbeit und die des THW nicht auf dem Tag der offenen Tür 14 Tage später präsentieren wolle. Zum 135jährigen Jubiläum konnten wir der ältesten Berufsfeuerwache Deutschlands natürlich keinen Wunsch abschlagen. Gleichzeitig war es natürlich auch eine gute Gelegenheit, die langjährige Kooperation zwischen Feuerwehr und THW zu demonstrieren.

Unser Stand auf dem Tag der offenen Tür

Und so kam es, dass zwei Wochen später beim Tag der offenen Tür der Wache in der Oderbergerstraße neben vielen spannenden Feuerwehrfahrzeugen auch der Gerätekraftwagen II unseres Ortsverbandes zu Gast war. Seine Mannschaft stellte nicht nur das Fahrzeug und die Ausstattung vor, sondern informierte auch über die ehrenamtliche Arbeit im THW und in der THW-Jugend. Besonders beliebt waren wohl die Pixi-Bücher „Tom der THW-Helfer“, bis zum Mittag waren sie restlos vergeben. Für die Helferinnen und Helfer aus unserem Ortsverband ergab sich an diesem Tag außerdem wieder einmal die Gelegenheit, sich mit den Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr auszutauschen und ihre spannenden Vorführung anzuschauen.

Fortsetzung folgt hoffentlich beim nächsten Tag der offenen Tür!

Vor 25 Jahren – Zugunglück in Wannsee

Vor 25 Jahren kam es kurz vor Wannsee zum schwersten Eisenbahnunfall der Berliner Nachkriegsgeschichte. Um 14:26 Uhr am Karfreitag, den 9. April 1993, stießen zwei Personenzüge frontal aufeinander. Drei Menschen starben, viele weitere wurden schwer verletzt.

Die beiden Züge aus Hannover und nach Stuttgart befanden sich irrtümlich auf dem gleichen Gleis, als der Aufprall passierte. Trotz der relativ langsamen Geschwindigkeit schoben und verkeilten sich die Lokomotiven ineinander, die ersten Waggons wurden von den nachfolgenden eingedrückt und aus den Gleisen gehoben.

Einsatzkräfte am Ort des Unglücks.
Foto: Ingo Papenfuss

Über mehrere Stunden arbeiteten die Retter unermüdlich, um eingeklemmte Betroffene zu befreien. Jeweils rund 150 Feuerwehrleute und Polizisten waren vor Ort. Auch das Technische Hilfswerk unterstützte sie mit einem Großaufgebot.

Für viele damals beteiligte Einsatzkräfte unseres Ortsverbandes, der damals noch Bezirksverband Steglitz hieß, war es einer der schwersten Bergungseinsätze ihres Lebens. Wir erinnern mit unveröffentlichten Fotos und einem Interview an das Unglück vor 25 Jahren.

Interview mit Horst Gäsche, heute Fachberater und damals in leitender Position im Einsatz

Horst Gäsche während des Interviews im April 2018

Redaktion: Weißt du noch wo du warst, als die Alarmierung losging?

Horst Gäsche: Ja, ich war damals bei meiner Freundin in Zehlendorf.  Wir waren auf einem Spaziergang Richtung Schlachtensee. Da ging die Alarmierung los. Ich habe auf den Funkmeldeempfänger geguckt und dachte: ‚Oh, jetzt musst du aber los‘. Dann bin ich zu ihr nach Hause, habe das Auto geholt und bin sofort in die Dienststelle gefahren.

R: Und mit welchem Fahrzeug bist du dann aus der Dienststelle losgefahren?

HG: Das war ein VW T3, unser Mannschaftstransportwagen. Wir haben dann erstmal mit der Polizei koordiniert, wie wir überhaupt an die Schadensstelle rankommen, dort am Wannsee war ja alles zu.

Gemeinsam mit der Berliner Feuerwehr und der Polizei war das THW im Einsatz.
Foto: Jens Papenfuss

R: Und vorher musstest du ja die Einsatzkräfte alle per Festnetztelefon alarmieren, ein Handy gab es noch nicht…

HG: Ja, beziehungsweise viele hatten auch Meldeempfänger. Die haben dann in der Dienststelle angerufen und denen haben wir gesagt, wen sie noch informieren und mitbringen sollen. Dafür gab es eine Telefonkette. Und wenn die dann ankamen, sind die sofort auf das erste Auto rauf, jedes Fahrzeug das voll besetzt war ist abgefahren.

R: Und als du dann an der Einsatzstelle ankamst, wie war da der erste Eindruck?

HG: Zwischen 15 oder 16 Uhr, wann genau weiß ich nicht mehr, sind wir eingetroffen. Wir sind zuerst zum Einsatzleitwagen der Feuerwehr, da waren wir noch gar nicht richtig an der Einsatzstelle. Da hat uns Landesbranddirektor eingewiesen. Und jemand von der Bahn war auch da, denn die S-Bahn war ja noch in Betrieb. Wir konnten dann später nur arbeiten, wenn gerade keine S-Bahn fuhr.

Zu den Aufgaben des THW gehörte auch die Schaffung von Zugängen für die Rettung von Betroffenen.
Foto: Jens Papenfuss

R: Welche konkreten Aufgaben hatte denn der Bezirksverband Steglitz?

HG: Das waren Bergung, Beleuchtung und Stromversorgung. Das hieß beispielsweise Seitenzuwege an den Waggons schaffen, damit die Rettungskräfte überhaupt herankamen. Außerdem haben wir einen Zugang zur Lok geschaffen, denn zu diesem Zeitpunkt wurden der Lokführer und eine weitere Person noch vermisst.

R: Wie lange war unser Ortsverband im Einsatz?

HG: Wir haben dann zur Nacht die Einsatzkräfte reduziert, waren aber bis zum frühen Morgen vor Ort. Dann kamen unsere Ablösekräfte. Wir waren, nachdem die Vermissten gefunden worden waren, für die Beleuchtung zuständig und haben auf den Hilfszug der Bahn gewartet. Der kam aber erst zu einem späteren Zeitpunkt.

Eine der Aufgaben für den damaligen Bezirksverband Steglitz war das Beleuchten der Einsatzstelle. Hier sieht man den Beleuchtungskraftwagen.
Foto: Jens Papenfuss

R: Hattet ihr im Nachhinein den Eindruck, dass der Einsatz trotz der schweren Umstände gut verlaufen ist?

HG: Die Zusammenarbeit hat wunderbar funktioniert. Da haben wirklich alle, wenn Hilfe gebraucht wurde, mit angepackt. Egal ob Feuerwehr, THW, Polizei und wie hoch der Rang war.

Horst Gäsche ist ehemaliger Zugführer und Ausbildungbeauftragter unseres Ortsverbandes. Heute bringt er seine enorme Erfahrung als Fachberater ein. Das Gespräch führte Jan Holste.

Vermessungsausbildung der Wasserschaden-Pumpengruppe

Sie ist leuchtend orange und darf in keiner Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen fehlen: Die Kiste mit der Ausstattung zur Höhenmessung. Die Instrumente sind wichtig für die Fachleute für Hochwasserbekämpfung, denn durch die Messungen wird sichergestellt, dass das Wasser ungestört von Steigungen und Senkungen fließen kann. Um die Kenntnisse im Umgang mit dem wichtigen Werkzeug zu vertiefen, fand eine Wochenendausbildung zum Thema Vermessung statt.

Am Freitagabend wurde zunächst die Theorie betrachtet. Kenntnisse aus dem teilweise schon etwas länger zurückliegenden Matheunterricht wurden aufgefrischt und angewandt. Dabei kamen auch die praktischen Anwendungsbeispiele nicht zu kurz. Am Samstag ging es dann in die Vertiefung und Durchführung.

Dabei ging es nicht nur um die richtige Bedienung des Gerätes, die durch viele Stunden praktischer Erfahrung ins Blut überging. Vielmehr sollte ja die Anwendung im Einsatzfall vorbereitet werden. Daher wurden anhand von realistisch aufgebauten Übungsstationen verschiedenen Möglichkeiten der Vermessung zuerst demonstriert und dann von den Teilnehmenden selbst erprobt. Selbst alte Hasen konnten hierbei nicht nur ihre Kenntnisse auffrischen, sondern immer mal wieder auch Neues lernen.  Am Ende waren sich alle Beteiligten einig, dass das Gerät von unschätzbarem Wert für die Tätigkeiten der Gruppe ist und die Ausbildung wiederholt werden soll.

Weihnachtsgruß der Ortsbeauftragten

Weihnachten – Zeit wieder einmal zurück zu blicken auf ein vergangenes Jahr. – Und eine paar Tage ohne reguläre Dienste durchzuatmen oder noch die letzten Arbeiten abzuschließen – bevor es in ein neues Jahr geht.

In Zahlen: 27.400 Dienststunden – davon 1.700 Einsatzstunden, geleistet von aktuell 131 Helferinnen und Helfern, davon 18 Junghelferinnen und Helfern.

Die meisten Einsätze haben uns Stürme und Starkregenereignisse von Juni bis Oktober eingebracht, sie haben uns darin bestätigt, dass eine gute Ausbildung für die erfolgreiche Bewältigung dieser Aufgaben erforderlich war und ist. Der Unterschied zu den über mehrere Wochen andauernde Hochwasserlagen der vergangenen Jahre bestand darin, dass unsere Einsatzkräfte Aufträge für einzelne Tage bekamen, die sich aber in Summe auch über Wochen erstreckten.

Für unseren Ortsverband resultierten durch die Großveranstaltungen des Lutherjubiläumsjahres Tätigkeiten im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und die Verabschiedung des Landesbeauftragten Metzger führte zur Verlegung unseres Tages der offenen Tür auf den 8. Juli. Unsere Einsatzbereitschaft litt aber unter solchen Veranstaltungen nicht.

Nach Vorbild der regulären Feuerwehrbereitschaftsdienste, bei denen im Auftrag der Berliner Feuerwehr technische Hilfe geleistet wurde (auch in Ausbildungskooperation mit Helfern Spandau teilweise mit Gästen aus Halberstadt, Magdeburg und Burg) wurden die Unwetterlagen im Berliner Stadtgebiet bewältigt. Bei den Einsätzen im Raum Oranienburg und Velten kamen neben technischen Einsatzkomponenten wie Kettensägen und Pumpen auch unser Fachberater zur Beratung der anfordernden Stadtverwaltung und die Zugtrupps zur Führungsunterstützung der Gesamteinsatzleitung zum Zuge.

Auch unsere Jugendgruppe war wieder sehr aktiv. Ihre Möglichkeiten werden fast nur durch die vorhandenen Jugendbetreuer begrenzt – daher können sie nicht alle Interessenten aufnehmen. Viele Ausflüge, jugendpflegerische Maßnahmen, Öffentlichkeitsarbeit an Schulen; Höhepunkte wie Unterstützungsleistungen beim Marathonlauf wurden umgesetzt. Die Partner aus dem OV Bocholt waren erneut zu Besuch. Seit einiger Zeit sind in diesem Jahr wieder Mitglieder in die Grundausbildungsgruppe gewechselt.

Auch unsere Grundausbildungsgruppe ist regelmäßig gut besetzt und verstärkt nach durchweg erfolgreicher Prüfungsteilnahme die Einsatzbereitschaft der Helferschaft. Das bewährte Ausbildungskonzept wird auch im kommenden Jahr wieder mit anderen Ortsverbänden der Geschäftsstelle Potsdam umgesetzt.

Da die Helferinnen und Helfer aber durch das Einsatzaufkommen und die im Herbst wieder üblichen Unterstützungsmaßnahmen von Ruderveranstaltungen mit Schwimmplattformen reichlich ausgelastet waren, konnten nicht alle geplanten Übungen und Ausbildungsmaßnahmen durchgeführt werden, aber auch da bietet das neue Jahr wieder Möglichkeiten.

Bis dahin darf ich Euch allen für Euer Engagement und besonders Euren Familien danken – die für Euch für Eure ehrenamtliche Tätigkeit freistellen. Ich wünsche uns allen ruhige und erholsame Feiertage sowie einen guten Rutsch ins neue Jahr 2018.


Hedi Karkut
Ortsbeauftragte

Weihnachtsfeier des Ortsverbandes

Dieses Jahr war geprägt von herausfordernden Einsätzen: Stürme und Starkregenfälle hielten das THW und andere Hilfsorganisationen in Atem. Auch für unseren Ortsverband bedeuteten sie mehrere langwierige Einsätze. Deshalb stand unsere diesjährige Weihnachtsfeier ganz im Zeichen des Dankes – für das Engagement im Einsatz, aber auch an die Angehörigen für ihre Unterstützung.

Foto: THW/Jan Holste

Als Vertreter der Landesbeauftragten ließ Dr. Gernot Wittling noch einmal die vielen Aktivitäten des letzten Jahres  Revue passieren. Ob Einsätze nach dem Sturmtief Xavier oder Engagement beim Evangelischen Kirchtentag, überall war unser Ortsverband dabei. Besonders hob Dr. Wittling die hohe Durchhaltefähigkeit und die Personalstärke unserer Einheiten hervor.

Foto: THW/Jan Holste

Anschließend wurden gleich sechs Helferinnen und Helfer für ihre besonderen Leistungen geehrt. Verena König, Paul Jerchel, Richard Nitz, Marco Kebschull und Mike Büschke erhielten das Helferzeichen in Gold. Für seinen langjährigen herausragenden Einsatz bekam Herbert Kuckling das Helferzeichen in Gold mit Kranz verliehen. In den jeweiligen Verleihungsreden hob die Ortsbeauftragte Hedwig Karkut die verschiedenen Persönlichkeiten  und wichtigen Beiträge der ausgezeichneten Einsatzkräfte hervor.

Foto: THW/Oliver Scheele

Bis in die Nacht feierten die Helferinnen und Helfer gemeinsam mit Familie und Freunden sowie Gästen aus Politik und befreundeten Organisationen dann das vergangene Jahr. Noch eine Feuerwehrbereitschaft und mehrere Dienstabende stehen an, bis es  gestärkt durch einige freie Tage in ein neues, sicher ereignisreiches Jahr geht.